Peter Spuhler

Peter Spuhler: «Vielversprechende Möglichkeiten für Schweizer Unternehmen»

Am 7. März 2021 entscheidet das Stimmvolk über das umfassende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Indonesien. Der Urnengang ist von grosser Bedeutung: Scheitert die Abstimmung, bleibt nicht nur der vorteilhafte Marktzugang nach Indonesien verwehrt. Vielmehr werden Freihandelsabkommen ganz generell infrage gestellt. Wir haben mit Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident und CEO ad interim der Stadler Rail AG, über Freihandel, den Zukunftsmarkt Indonesien und das Abkommen gesprochen.

Herr Spuhler, welche Bedeutung haben Freihandelsabkommen für die Schweiz?

Schweizer Firmen behaupten sich im Weltmarkt mit grossem Erfolg. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sind sie auf den bestmöglichen Zugang zu ausländischen Märkten angewiesen. Dafür sorgen Freihandelsabkommen. Sie sind ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Aussenwirtschaftspolitik – besonders in Zeiten von steigendem Protektionismus, internationalen Handelsstreitigkeiten und einer geschwächten Welthandelsorganisation.

Am 7. März stimmen wir über das umfassende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit Indonesien ab. Inwiefern ist der asiatische Inselstaat für Stadler ein interessanter Zielmarkt?

Indonesien hat sich von einem der ärmsten Entwicklungsländer der Welt zu einem prosperierenden Schwellenland entwickelt. Auch dank Handel. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich dieser Wachstumstrend so schnell verlangsamen könnte – natürlich je nachdem, wie die Corona-Pandemie weiter verläuft. Experten rechnen damit, dass das Land bis 2050 zur viertgrössten Volkswirtschaft der Welt aufsteigt. Indonesien zählt heute 267 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Die Mittelschicht wächst. Gleichzeitig steht die Regierung Indonesiens vor grossen Herausforderungen. Die Infrastruktur des Landes beispielsweise gilt als veraltet. Die Konsumlust der neuen Mittelschicht sowie der grosse Investitionsbedarf in öffentliche Güter eröffnen Schweizer Unternehmen vielversprechende Möglichkeiten – auch Stadler.

Ist Ihr Unternehmen bereits heute in Indonesien aktiv?

Stadler und der indonesische Schienenfahrzeughersteller PT INKA haben im September 2019 einen Joint-Venture-Vertrag unterzeichnet. Das Joint Venture soll am Produktionsstandort in Banjuwangi Schienenfahrzeuge in moderner Aluminiumtechnologie entwickeln und produzieren. Für uns war das ein Meilenstein. Ein neuer Produktionsstandort in Indonesien schafft bestmögliche Voraussetzungen, um in der Region Fuss zu fassen.

Welche konkreten Vorteile bringt Stadler das vorliegende Abkommen?

Das Abkommen gewährleistet uns einen reibungslosen Export von Vorprodukten zur Fertigung von Schienenfahrzeugen nach Indonesien. Auch der Import von Maschinen und Anlagen, die wir für den Aufbau einer Produktionsinfrastruktur vor Ort benötigen, wird zollbefreit.

Die Vorteile gehen aber weit über Zollsenkungen hinaus. So erleichtert das Abkommen auch den Transfer von geistigem Eigentum und Technologien und schafft Investitionssicherheit. Da weder die EU noch die USA über ein derartiges Abkommen mit Indonesien verfügen, werden Schweizer Firmen einen spürbaren Wett­bewerbsvorteil erfahren.

Für Schweizer Unternehmen ist das vorliegende Wirtschaftspartnerschaftsabkommen ein Gewinn. Inwiefern profitiert Indonesien?

Das Freihandelsabkommen ist eine Win-win-Situation für alle beteiligten Länder, sonst hätte sich Indonesien bestimmt nicht auf den Vertrag eingelassen. Das Abkommen eröffnet auch der indonesischen Wirtschaft neue Möglichkeiten und trägt so zu Wachstum und höherem Wohlstand bei. Der Nutzen des Abkommens geht aber weit über wirtschaftliche Aspekte hinaus. Schweizer Technologie hat das Potenzial, das Leben der Menschen in Indonesien massgeblich zu verbessern. Beispiele dafür gibt es zuhauf. Unter anderem etwa im medizinischen Bereich, in der Energiebranche – oder eben in der Verkehrstechnologie.

Zum Originalbeitrag des Autors: Jan Riss, wissenschaftlicher Mitarbeiter IHK

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